Weichstoff-Zylinderkopfdichtungen

Klassiker in Sachen Zylinderkopfabdichtung

Weichstoff-Zylinderkopfdichtungen
Die klassische Weichstoff-Zylinderkopfdichtung ist eine kompressible Flachdichtung. Sie besteht aus einem gespießten Trägerblech, auf das kopf- und blockseitig Weichstoffmaterial aufgewalzt wird. Metallische Einfassungen dichten die Brennräume ab und schützen das empfindliche Weichstoffmaterial vor Überhitzung. Eine Imprägnierung der Weichstoffoberfläche verhindert ein Quellen durch Kontakt mit flüssigen Medien wie Öl, Wasser oder Frostschutzmittel. So genannte Viton-Elemente aus Elastomerwerkstoffen ermöglichen eine partielle Erhöhung der Flächenpressung im Bereich der Öldruckbohrungen.



Klassische Weichstoff-Zylinderkopfdichtung mit gespießtem Trägerblech, beidseitig aufgewalztem Weichstoffmaterial, Imprägnierung, Brennraumeinfassungen und Viton-Element.

Dichtungsschäden an Weichstoff-Zylinderkopfdichtungen

Formen von Undichtigkeiten
Weichstoff-Zylinderkopfdichtungen werden einem umfangreichen Testprogramm unterzogen. Die Freigabe für den Einbau erhalten nur qualitativ hochwertige und absolut einwandfreie Zylinderkopfdichtungen. In der Praxis kann es trotzdem zu Undichtigkeiten kommen, die jedoch nur in Ausnahmefällen auf die Zylinderkopfdichtung selbst zurückzuführen sind. Die Ursachen für Schäden an Weichstoff-Zylinderkopfdichtungen können dabei vielfältig sein.

Gas-, Öl- und Kühlmittelundichtigkeiten
Undichtigkeiten zwischen Zylinderkopf, Zylinderkopfdichtung und Motorblock werden in der Fachterminologie als Leckage bezeichnet. Dabei wird zwi schen Gas-, Öl- und Kühlmittelleckagen unterschieden, den so genannten Medienleckagen. Typische Medienleckagen bei Weichstoff-Zylinderkopfdichtungen.

Insgesamt können sieben verschiedene Medienleckagen bei Weichstoff-Zylinderkopfdichtung auftreten:

  1. Gasundichtigkeit von Brennraum zu Brennraum
  2. Gasundichtigkeit von Brennraum zu Kühlmittelkreislauf
  3. Gasundichtigkeit nach außen
  4. Ölundichtigkeit in den Kühlkreislauf
  5. Ölundichtigkeit nach außen
  6. Wasserundichtigkeit in den Ölkreislauf
  7. Wasserundichtigkeit nach außen 


Typische Medienleckagen bei Weichstoff-Zylinderkopfdichtungen.

HINWEIS
Eine Leckage ist eine Undichtigkeit in einem System, durch die Gase oder Flüssigkeiten unerwünscht ein- oder austreten können. Eine Leckage kann zum Ausfall des gesamten Systems führen.

Schäden, Analyse, Ursachenforschung

Eine Überhitzung des Motors kann durch Defekte an Wasserpumpe, Kühler, Thermostat oder Wasserschläuchen, zu wenig Kühlmittel im System oder unsachgemäßer Entlüftung des Kühlsystems nach Arbeiten am Zylinderkopf entstehen. Unregelmäßige Verbrennungen im Motorraum durch Russablagerungen und hoher Abgasdruck bei Ausfall des Katalysators sind ebenfalls Faktoren für eine mögliche Überhitzung.

HINWEIS
Bei der Demontage der Zylinderkopfdichtung sollten Sie unbedingt die Herstellervorgaben beachten, um Bauteilverzüge an Zylinderkopf und Motorblock auszuschließen. Achten Sie auch darauf, dass die Bauteiloberflächen bei der Demontage der Zylinderkopfdichtung nicht beschädigt werden.



Zerstörungen im Stegbereich durch Überblasen von Brenngasen.



Gasleckage mit lokaler Schwarzfärbung der Brennraumeinfassung können durch zu geringe Flächenpressung oder Überhitzung des Motors entstehen.




Gasleckage mit starken Spuren durch Überblasen heißer Brennraumgase.
 

Öl- und Kühlmittelleckagen
Im Vergleich zu Gasleckagen können Dichtungsschäden durch Öl- und Kühlmittelleckagen nur sehr schwer an der ausgebauten Weichstoff-Zylinderkopfdichtung erkannt werden. Spuren von Rost und Frostschutzmittel mit weißen, kalkähnlichen Ablagerungen auf der Dichtungsoberfläche können auf Kühlmittelaustritte hindeuten. Konkrete Hinweise auf Ölundichtigkeiten sind nur selten zu finden.

Schmutz, Fremdpartikel und raue Oberflächen
Die Praxis zeigt, dass der Hinweis auf saubere Dichtflächen notwendig ist. Einpressungen von Schmutz und Fremdpartikeln führen immer wieder zu Schäden und Leckagen. Deshalb sollte auf eine sorgfältige Reinigung von Motorblock und Zylinderkopf geachtet werden. Dies gilt insbesondere nach einer Nachbearbeitung der Oberflächen bei Bauteilunebenheiten, Bauteilverzügen, Welligkeiten (Parallelitätsabweichungen) oder Rauigkeiten (Rillen und Riefen).

EXPERTENTIPP
Bei der Montage von Weichstoff-Zylinderkopfdichtungen mit Viton-Element ist darauf zu achten, dass die Zylinderkopfdichtung und der Zylinderkopf exakt positioniert werden. Durch eine falsche Positionierung kann das Viton-Element überpresst oder durch scharfe Bauteilkanten zerschnitten werden. Beim Austausch einer Zylinderkopfdichtung sind zusätzliche Dichtmassen nur erforderlich, wenn es ausdrücklich vom Hersteller vorgeschrieben wird!




Dichtungsschäden durch Schmutz und Fremdpartikel.


EXPERTENTIPP
Handlungsanweisungen bei Dichtungsschäden:
  1. Identifizieren Sie vor der Demontage der Zylinderkopfdichtung die Leckagestelle eindeutig.
  2. Analysieren Sie den Schaden und ermitteln Sie die Fehlerquelle; die Dichtung kann, muss aber nicht die Ursache sein.
  3. Beseitigen Sie die Schadensursache, um Folgeschäden auszuschließen.
  4. Montieren Sie erst dann die neue Zylinderkopfdichtung.
  5. Beachten Sie die Montagehinweise des Herstellers.



Aufquellungen bei Weichstoff-Zylinderkopfdichtungen durch Überhitzung mit Dampfbildung.



Eindellungen und Verquetschungen mit und ohne Überblasen durch Klingelbetrieb. Ursachen für den Klingelbetrieb sind falsche Kraftstoffe mit zu niedriger Oktanzahl, falsche Zündkerzen oder eine falsche Zündeinstellung sowie niedrige Motordrehzahlen über einen längeren Zeitraum.




Raue Oberflächen von Motorblock und Zylinderkopf führen zum Gasübertritt zwischen den Brennräumen.



Reißen bzw. Ausbrechen des Weichstoffmaterials und beschädigtes Viton-Element durch unsachgemäßes Auftragen von zusätzlichen Dichtmassen.

Praxisinformation

Weichstoff-Zylinderkopfdichtungen und Schadensanalyse